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Die Bar: Eine Liebeserklärung

by Sebastian Unruhe on 28. Mai 2015 No comments

Um nicht die falsche anzusprechen: Du, liebe Bar als Raum, du bist leider nicht gemeint. Ich meine dich, Bar, du Theke, du Trennung, die du eigentlich Verbindung bist.

Wir kennen uns schon lange. Viele Abende habe ich an dir verbracht, manchmal hast du mich gestützt. Du hast meine Faust gespürt, meine Tränen aufgesogen und im Klang meines Lachens vibriert. 

Okay, ich höre mal auf, sonst kommen mir noch die Tränen. Dennoch ist dies eine Ode auf die Bar. Viel zu sehr als Trennung missverstanden, ist sie doch die Verbindung von Menschen. Eine Verbindung von Gast zu Gast, von Gast zu Bartender. Oft sträflich missachtet und gähnend leer. Dabei ist die Bar das Zentrum, der kommunikative HUB der Gastronomie. Würde man ein Bild der Bewegungen innerhalb des Gastraumes mit Lichtstreifen darstellen, so würde die Bar am hellsten leuchten.

Wenn ihr also das nächste mal in eine Bar geht, dann gesellt euch direkt zur Bar. Seid nicht so spießig und setzt euch mit 2-3 Leuten an irgendeinen Tisch in der Ecke, es sei denn, ihr wollt wirklich allein und für euch bleiben – aber wieso seid ihr dann überhaupt da? Nein, ihr seid da, weil ihr in Verbindung treten möchtet – und das tut man eben an der Bar. Kein Kontakt ist woanders so schnell aufgebaut wie dort.

Klar, die Bar ist ein leichtes Mädchen und manchmal etwas oberflächlich. Trotzdem – oder deshalb? – hatte ich dort mitunter sehr interessante Gespräche, ohne jemals den Namen meines Gesprächspartners oder -partnerin zu erfahren, ja erfahren zu wollen. Die Bar ist trotz aller Verbindung eben auch ein bisschen anonym, vielleicht sollte man sagen „unverfänglich“. Wenn du dich mit ihm oder ihr an einen Tisch setzt und eure Blicke über die unsicher flackernde Kerze herumspielen – dann ist das irgendwie so eine Art Date oder? Die Bar ist da eben eher der Hippie, freie Liebe und so.

Andererseits kann sie ziemlich melancholisch sein. Kann mit der Uhrzeit zusammen hängen, oder mit den drinks, oder beidem. Nur deine Mutter kennt schlimmere Geheimnisse von dir als die Bar. Es macht keinen Sinn, sie lange anzulügen, früher oder später erzählst du ihr ja doch die Wahrheit (und der Person neben dir). Doch während du noch traurig und leicht deprimiert bist, lockt die Bar schon die nächste Person an, die dich da wieder herausholt.

Die Bar ist nämlich schnelllebig. Hebe dir deine Theorie über die Entstehung des Universums für das nächste Nerd-Date auf. Die Bar hat keine Zeit für sowas (obwohl sie schier unendlich viel Zeit hat für Palaver über die richtige Art, einen Mai Tai zu machen). Rede über Fußball, Drogen und die peinlichen Ausfälle deiner Kollegen, je nach Gesprächspartner. Hebe dir das Thema Sex bitte für die auf, die es interessiert. Meistens bist du das allein. Kapitalismuskritik, die Entstehungstheorie des Universums und globale Politik kommen erst in der späteren Phase.

Die Bar ist ein Dschinn. Weißt du, was ein Dschinn ist? Genau, das ist der Typ, der dir deine Wünsche erfüllt, aber in den meisten Geschichten ist derjenige mit den erfüllten Wünschen irgendwie trotzdem am Arsch. Richtig vermutet, das ist der Haken. Jede Liebe hat einen Haken. Der Haken der Bar ist: Sie erfüllt Wünsche. Ein kleiner Flirt hier, ein Augenzwinkern dort, ein tiefer Blick und ein paar Wünsche. Du wachst auf, schaust neben dich und gibst der Bar die Schuld. Ja, die Bar hatte ihre Finger im Spiel, aber schuldig bist auch du. Und die Bar hat ein Geheimnis mehr – ein Grund, weiter nett zu ihr zu sein!

Noch eine Warnung: Die Bar kann dein Leben bestimmen. Ich rede hier nicht von bargusto, unserer Firma. Ich rede auch nicht von meiner jahrelangen Arbeit an der Bar. Es ist viel mehr als das: Ich habe meine wunderbare Frau kennen gelernt, in dem sie Kaffee auf Kaffee getrunken hat an „meiner“ Bar damals (ich habe eine lange Leitung in diesen Dingen). Liebe geht eben durch die Bar.

Am Samstag habe ich frei. Ihr wisst, wo ihr mich findet.

Beim nächsten Mal: Die drei, eigentlich vier, Phasen der Bar und wie du Phase 0 durchstehst.

Viele Grüße
Patrick Davis

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